Standesamt (3/3)

Ich versuchte, die Blicke zu ignorieren und unterhielt mich angeregt mit der Standesbeamtin.

Eine Bedienung ging mit der letzten Flasche Sekt rum und schenkte mir ein weiteres mal nach.

Die Runde begann, sich aufzulösen und zu der Location zu fahren.

Ich ging noch einmal zur Toilette, mein Partner holte das Auto, damit ich nicht so weit laufen musste.

Als ich zurückkam, war außer der Bedienung, die gerade aufräumte, niemand mehr da.

Auf dem weißen Stehtisch standen noch zwei halbvolle Sektgläser. 

Ich leerte beide und machte mich langsam auf den Weg zum Ausgang.

Ich stieg in das wartende Auto ein und versuchte mich unterwegs zu erinnern, wie das Spiel ging, das ich geplant hatte.


An der Location angekommen suchte ich mir Zettel und Stift und ließ mir von einer Bekannten noch einmal die Regeln erklären. 
Nach dem zweiten Mal erklären dachte sie ich hätte es verstanden und ging  wieder an ihren Tisch.

Die Logik erschloß sich mir immer noch nicht und ich nahm mir ein weiteres Glas Sekt.

Nach dem Essen war ich dran. 

Ich hielt die vorbereitete Rede nicht und ließ das Brautpaar sich mit dem Rücken

Zueinander aufstellen. 
Da ich die benötigten Utensilien vergessen hatte organisierte ich schnell etwas anderes.

Auch hier ignorierte ich die Blicke und versuchte mich auf meinen Zettel zu konzentrieren.

Ich hatte das Spiel nicht zu Ende gedacht, es machte überhaupt keinen Sinn und ich war nicht in der Lage, die Situation zu retten.

Ich werde mich für den Rest meines Lebens an den Gesichtsausdruck meiner Freundin erinnern, nachdem mein Auftritt zu Ende war.


Erst am nächsten Morgen bekam ich ein schlechtes Gewissen.


Schau Dich gern weiter um:

Standesamt (2/3)
Standesamt (1/3)
Spiegelbild

Und ich wollte Dir noch etwas dalassen.
Unter „Für Dich“ findest Du einen kostenlosen Download mit zwölf Alltagsankern.

Vielleicht sehen wir uns nächsten Donnerstag wieder.