Ein verzweifelter Arbeitstag.
Es war 15.30. Normalerweise hätte ich jetzt Feierabend gehabt.
Wenn ich um 7 da gewesen wäre. Wie früher.
Ich verdrängte den Gedanken daran. Aber ich erinnere mich gut,
wie ich mich über mich selbst ärgerte, es wieder nicht früh aus dem
Bett geschafft zu haben.
Irgendwie hatte ich funktioniert. Ich quälte mich durch Gespräche,
durch meine Aufgaben, von denen ich mir sicher war, sie nicht gut
erledigt zu haben. Schon länger passierten mir viele Fehler und ich
schaffte mein Pensum nicht. Ich war langsam, unkonzentriert und hatte
dieses sehr unangenehme Gefühl, mein Denken zu verlieren.
Komplizierte Sachverhalte konnte ich nicht mehr erfassen.
Ich saß vor meinem Bildschirm und schaute auf Zahlen und Sätze, die mal
Sinn ergaben.
Ein wirklich beschissenes Gefühl.
Außerdem- auch daran werde ich mich für immer erinnern- hatte ich
dieses nagende schlechte Gewissen, meine Kollegen im Stich zu lassen.
Ich bekam auch mit, wie getuschelt wurde.
An mein Gefühl in der Magengrube als ich mir sicher war, es geht um mich,
erinnere ich mich auch so genau.
Ich versuchte es zu ignorieren.
Und weil ich es so tapfer ignorierte, hatte ich mir am Ende des Tages
natürlich eine Belohnung verdient. Ich hab ja schließlich einiges ausgehalten
und über mich ergehen lassen müssen, nicht wahr?
Meiner Chefin ist es auch nicht entgangen.
Dass ich nicht leistungsfähig war.
Ich hatte Gespräche, die sich darum drehten, was ich brauche damit ich
meine Arbeit wieder besser verrichten konnte.
Kurse? Nochmal eine Themenauffrischung? Eine weitere Einarbeitung?
Zu dieser Zeit hatte ich parallel ein anderes Thema, das meine Welt
durcheinander brachte und von dem jeder wusste.
Ich nahm dieses als sehr sehr willkommene Ausrede, mich dahinter zu verstecken.
Natürlich wird alles besser, wenn DAS erstmal verarbeitet ist.
DANN geht es aufwärts. Ganz bestimmt.
Nein danke, ich brauche keine Hilfe.
Ich komme klar. Versprochen.
Auf dem Nachhauseweg steuerte ich direkt den Supermarkt an.
Heute vielleicht mehr als eine Flasche. Fürs durchhalten.
Denn es war ein besonders anstrengender Tag.
Donnerstag. Noch ein Tag und dann war Wochenende.
Endlich.
Ich möchte Dich heute nochmal erinnern:
Du bist nicht allein.
🤍