Der Supermarkt

war irgendwann nicht mehr das, was er für andere ist.

Ich stand auf dem Parkplatz. Gestern stand ich auf dem von der Konkurrenz.

Und vorgestern in einem ganz anderen Wohnort. 

Zu diesem Zeitpunkt lebte ich allein und hatte Verantwortung für niemanden außer für mich und meine Katze.

Beim Abschnallen begann das Verhandeln mit mir selbst.

Ich nahm mir vor- es reicht eine Flasche Sekt. Eine reicht, ganz bestimmt! 
Dieses innere Ringen ging vorbei am Gemüse, dem Brot, dem Joghurt. 
Auf dem Weg zu meinen Regalen habe ich leicht zitternd einige Artikel wahllos

in meinen Korb gelegt. Einen Einkaufswagen brauchte ich nicht. 
Brauchte ich eigentlich schon, der Wocheneinkauf stand an. 
Wenn man es ja strategisch plant und vorausschauend einkauft, muss man

das ja nicht oft machen, richtig? Ich war beides nicht mehr.
Meine Strategie beschränkte sich darauf, im Auge zu behalten, ob mir der Sekt ausgeht. Und das Katzenfutter. 


Ich griff in mein Regal. Und schaute mich mit einem schlechten Gewissen um. 
Wie von Geisterhand gelenkt legte ich eine weitere Flasche in den Korb. 
Ich verhandelte. In Sekundenbruchteilen habe ich einen Kampf in mir ausgetragen, dessen Ausgang längst feststand.

Nichts und niemand hätte mich davon abhalten können. 

Ich sah meinen Nachbarn,

grüßte, hoffte er würde auf Smalltalk verzichten und legte eine Packung Whiskas über die Flaschen. 

Während ich ihn im Auge behielt tat ich so, als würden mich die Wühltisch-Angebote interessieren. Als er den Laden verließ ging ich erleichtert zum Kassenband. 
Es ist ja eigentlich keine große Sache was ich tat, aber mitkriegen muss es ja nicht jeder oder?

Ich legte die Alibi-Tiefkühlpizza dazu. Wenigstens etwas das nicht verderben konnte. Gesund hatte ich mich schon lange nicht mehr ernährt,  Obst würde einfach schlecht werden in meiner Küche.

Erleichtert darüber, dass sonst niemand den ich kannte da war stieg ich ins Auto und fuhr, sicher schneller als erlaubt, nach Hause.

Bald würde dieser stressige Tag einen gelungenen Ausklang haben. 

Ich fühlte mich schlecht, schämte mich, meine mir selbst auferlegte Vorgabe nicht eingehalten zu haben. 

Aber dieses Gefühl hielt nicht lange. Die Vorfreude übernahm. 

Und eine Stunde später war alles vergessen. 



Vielleicht bist Du damit weniger allein, als Du denkst.