Standesamt (1/3)
Ich hatte mir für diesen Freitag im Juli 2009 extra Urlaub genommen.
Heute war ich Trauzeugin bei der standesamtlichen Trauung meiner besten Freundin.
Gestern war es spät geworden und ich hatte fast nicht geschlafen.
Ich zog mir die Decke nochmal über den Kopf und kämpfte damit, nicht würgen zu müssen.
Als mein damaliger Freund mich schließlich weckte, war ich viel zu spät dran.
Ich ging ins Bad und quälte mich langsam unter die Dusche.
Beim Haarewaschen fiel mir ein, dass ich vor einer Stunde eigentlich einen Friseurtermin gehabt hätte und nahm mir vor, diesen Salon nie wieder zu betreten.
Mein Brechreiz wurde schlimmer und ich schickte meinen Freund in die Apotheke, damit er mir etwas gegen die Übelkeit holte.
Kaum war er aus dem Haus, nahm ich schnell eine Prosecco-Dose aus ihrem Versteck und leerte sie in kleinen Schlucken, um mich nicht zu übergeben.
Ich putzte mir zweimal die Zähne und verzichtete auf den Begrüßungskuss, als er wieder mit dem Medikament heimkam.
Die Kopfschmerzen ließen nach und ich ging ins Schlafzimmer um mich umzuziehen.
Mein Blick fiel auf das wunderschöne Kleid, das ich eigentlich anziehen wollte.
Gestern Mittag hatte ich mir noch schnell ein anderes kaufen müssen, weil dieses nicht mehr passte.
Ich schloss die Schlafzimmertür und leerte in einem Zug eine zweite Dose.
Dann zog ich mich komplett an und versuchte, mir die Haare hochzustecken.
Da wir dringend los mussten ließ ich es direkt sein und ging mit meinem Freund ans Auto.
Obwohl geplant war, dass ich fahre, ging ich zur Beifahrerseite und öffnete nach dem Einsteigen sofort das Fenster.
Keiner sagte etwas. Die ganze Fahrt.
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