Standesamt (2/3)

Wir kamen am Standesamt an. 

Es war 10.55 Uhr, die Trauung begann um 11 Uhr.

Mein Partner ließ mich vor dem Gebäude aussteigen und suchte einen Parkplatz. 

Ich lief so schnell mit den hohen Absätzen, dass ich auf dem Kopfsteinpflaster ausrutschte und mir ein Knie blutig schlug. 
Beim Versuch aufzustehen fiel ich wieder und konnte mich gerade noch so mit 
den Händen abstützen. 

Ein fremder Mann kam zu mir rüber, gab mir ein Taschentuch und half mir hoch.


Auf dem Weg zum Saal zog ich mir die kaputte Strumpfhose aus und hielt das Taschentuch auf die Wunde. 


Ich humpelte weiter bis vor das Trauzimmer. Dort wartete mein Partner bereits.

Ich schwitzte,  wir betraten abgehetzt den Saal und ich ignorierte die Blicke.

Geduckt schlich ich an allen Gästen vorbei und setzte mich vorne neben die Braut. 

Sie und der Bräutigam begrüßten mich knapp. 

Der Standesbeamte blickte auf die Uhr, rückte seine Brille zurecht und begann 
mit der Trauung.

Ich hoffte, er beeilte sich.

Ich versuchte mich zu konzentrieren und meine Freundin nicht anzusehen.

Mir fielen zwischendurch fast die Augen zu. 

Ich riss mich zusammen, ging zur Unterschrift und war froh, als die Trauung 
beendet war.


Ich sagte, ich hätte eine Blasenentzündung und müsse dringend auf die Toilette.

Beim zweiten Versuch fand ich sie. 
Ich blickte kurz in den Spiegel und tupfte mir den Schweiß von der Stirn.

Um mich abzukühlen legte ich meinen Kopf an die Fliesen, während ich nach der Prosecco-Dose in meiner Tasche suchte.

Der Sektempfang hatte bereits begonnen. 

Ich verzichtete auf ein Kaugummi und ließ mir direkt ein Glas geben.

Ich prostete dem Brautpaar zu und versuchte mich daran zu erinnern, 
was ich in diesem Moment sagen wollte. 

Ich drückte meine Freundin fest an mich und begann zu weinen. 


Sie war sehr gerührt, dass ich so gerührt war.


Schau Dich gern weiter um:

Standesamt (1/3)
Spiegelbild
Feierabend

Und ich wollte Dir noch etwas dalassen.

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