Die Angst, dass es jemand merkt

Zwischen Verbergen und Wissen

Wenn ich an damals zurückdenke, fällt mir zuerst dieses flaue Gefühl 
im Magen ein. 
Dieses Gefühl, wenn ich mich – mal wieder – mit schlechtem Gewissen 
gefragt habe:

Was, wenn es jemand merkt?


Heute sage ich ganz klar: ich habe mich geschämt.

Aber viel schwerer war die Angst, mich dem Ganzen wirklich zu stellen –
und damit das aufgeben zu müssen, was sich damals wie mein „Liebstes“ 
angefühlt hat.


Das wollte ich nicht. Auf keinen Fall. 


In meiner Familie veränderte sich die Atmosphäre. Natürlich fiel es auf.

Mein Mann sagte zuerst nichts. Aber ich wusste dass er es wusste.

Ich war Meisterin darin, Ausreden zu erfinden. Geschichten zu erzählen.

Ich habe die Supermärkte gewechselt – im Ort und außerhalb, immer in rotierendem Abstand.

Mit dem Gedanken: dann bin ich sicher.
Dann habe ich alles im Griff.


Unter meinen Freunden war es zunächst einfacher. 

Aber auch hier konnte ich irgendwann nicht mehr verbergen, dass ich
vor dem vortrinken schon vorgetrunken hatte. 
Weil es ohne einen gewissen Pegel schon lange nicht mehr ging.

Ich habe es lange versucht wegzuschieben. Habe mir eingeredet,

dass ich kein Problem habe. Dass es morgen anders ist.

Und gleichzeitig ist da dieses bohrende Wissen:
Nein. Morgen wird es wieder so sein. Und Du weißt das Dany.


Als mein Umfeld mich immer öfter auf mein Trinkverhalten ansprach 
und sich zunehmend Sorgen machte, hatte ich keinen Plan.
Keinen Ausweg. Ich habe mich immer mehr zurückgezogen und hatte
Angst, dass sich irgendjemand zwischen mich und meinem Alkohol stellt.
Hilfe habe ich über eine lange Zeit nicht angenommen. 
Ich war nicht in der Lage dazu. 
Ich hoffe sehr, bei Dir ist es anders. 


Die Angst, dass es jemand merkt, ist ein Hinweis. 
Höre hin.


🤍